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(aus: Ferdinand OPLL: Liesing, Geschichte des 23. Wiener Gemeindebezirks und seiner alten Orte, Wien: Jugend & Volk, 1982) Inzersdorf
bis 1848 Dieser
östlichste Teil unseres Bezirkes wird bereits um 1120/25 erstmals genannt. Ähnlich
wie etwa bei Erlaa ergibt sich auch hier das Problem der eindeutigen Zuordnung
solch früher Erwähnungen, existieren doch mehrere Orte dieses Namens in Niederösterreich.
Von ihnen ist in unserem Zusammenhang vor allem Inzersdorf an der Traisen von
Interesse. In der Umgebung dieses schon 1072/91 erstmals genannten Ortes gibt es
nämlich auch ein ebenso altes "Siebenhirten" (Gerichtsbezirk St. Pölten).
Überlegt man dazu die Nähe des von Bischof Altmann von Passau um 1075/80 gegründeten
Klosters Göttweig und vergleicht man damit nun die nebeneinander liegenden Orte
Altmannsdorf, Inzersdorf und Siebenhirten in unserem Bereich (Wien 12 und 23),
so drängt sich der Gedanke an eine Verbindung zwischen den älteren Orten im
Viertel ober dem Wienerwald und unserem Gebiet auf. Auch
noch ins 12. Jh. zurück reichen die Anfänge der Besitzungen des im Jahre 1155
von Herzog Heinrich 11. Jasomirgott gegründeten Wiener Schottenklosters in
Inzersdorf. Schon im Jahre 1200 bestätigte nämlich Herzog Leopold Vl. der
Glorreiche dieser Abtei u. a. Besitzungen in unserem Ort, die es von nicht
namentlich genannten Stiftern erhalten hatte. In der Folge hat sich bis ins 18.
Jh. eine Reihe von Zeugnissen erhalten, die über die hiesigen
Schottenbesitzungen Auskunft geben. Als
wohl ortsansässiges Geschlecht ist uns bereits in dieser Zeit die Familie der
Ritter von Inzersdorf bekannt. Dennoch muss es zweifelhaft bleiben, ob diese
Herren damals über die grundherrlichen Rechte verfügten. Aus dem Jahre 1217
erfahren wir nämlich von der Gründung der Pfarre Inzersdorf, im übrigen der
ältesten Pfarre unseres Bezirkes. Bischof Ulrich 11. von Passau schlichtete am
15. September 1217 in Wien unter Vermittlung Herzog Heinrichs des Älteren von Mödling
(Leopold Vl. befand sich gerade auf dem Kreuzzug) und Rudolfs von Pottendorf
einen Streit zwischen Pfarrer Heinrich von Wien und Ulrich von Rodaun um die
Kapelle zu Inzersdorf, die gegen Entschädigung des Wiener Pfarrers zur
Pfarrkirche erhoben wurde, beschränkt auf die Untertanen der Herrschaft
Inzersdorf und der hiesigen Kapelle. Nach diesem Dokument ist es jedenfalls sehr
wahrscheinlich, dass der Herr von Rodaun zu dieser Zeit auch über Inzersdorf
verfügte. Bereits aus dem Jahre 1227 kennen wir den ersten Namen eines Pfarrers
von Inzersdorf. Pfarrer Berthold wurde damals nämlich unter den Zeugen einer
Urkunde des Wiener Schottenklosters über Inzersdorfer Besitzungen genannt. Wenn
dabei auch Ritter Heinrich von Inzersdorf als Zeuge fungierte, so erhebt sich
die allerdings kaum zu klärende Frage, ob die Grundherrschaft nicht wieder in
den Händen derer von Inzersdorf lag. Ernst Klebel hat freilich in einer
Untersuchung zur Frühgeschichte Wiens die Auffassung vertreten, dass die
Deutung des Ortsadels als Inhaber der Dorfherrschaft für die Umgebung von Wien
nicht anwendbar zu sein scheint. Noch um die Mitte des 14. Jh.s begegnet uns ein
Mitglied der Familie der Inzersdorfer, doch dürfte das Geschlecht mit dem Kämmerer
Herzog Albrechts 11., Friedrich von Inzersdorf (bezeugt 1351-1361), im
Mannesstamme ausgestorben sein. Wohl schon auf diese Epoche in der Geschichte
des Ortes dürfte auch das Alte Schloss unmittelbar westlich neben der
Nikolauskirche (heute Wohnhausanlage) zurückgehen. Dieser Herrensitz, der
nach den Angaben des alten Inzersdorfer Heimatbuches von Georg Freund schon auf
einer Karte des Ingenieur-Hauptmannes de Oliva aus dem Jahre 1590 zu sehen war,
ist uns - wie Erlaa - in einer Ansicht des Georg Matthäus Vischer aus dem Jahre
1672 bekannt: Das Bild (oben) zeigt uns vom Süden her eine um einen Innenhof
gruppierte Anlage, deren nördlicher Trakt am höchsten ist und der über der
Einfahrt in den Hof ein als Dachreiter ausgeführtes Türmchen aufweist. Mit
einer zinnenbekrönten Mauer ist der östlich davon gelegene Bereich der alten
Nikolauskirche im unmittelbaren Anschluss an das Schloss umgeben, wobei uns
diese Ansicht auch das Aussehen der alten, West-Ost ausgerichteten Kirche mit
Ostturm und daran anschließender, halbrunder Apsis überliefert. Die Zufahrt
zu Schloss und Kirche ermöglicht eine Brücke über den ringsum laufenden
Graben. Wir
wollen jedoch in chronologischer Weise die Betrachtung der herrschaftlichen
Entwicklung des alten Ortes fortsetzen. Schon vor 1382 erfahren wir, dass
Wolfgang von Winden eine Frühmesse in der Inzersdorfer Pfarrkirche gestiftet
hat. Damit ist die Familie genannt, die den Herren von Inzersdorf - 1375 ist
zuletzt Margaretha, die Witwe des vorhin erwähnten herzoglichen Kämmerers
Friedrich, bezeugt - hier am Ort nachgefolgt ist. Ab dieser Zeit ist nun auch
die Gerichtsbarkeit und damit der wesentlichste Teil der grundherrschaftlichen
Rechte vom Landesfürsten her lehensabhängig, der damit auch in Inzersdorf
seinen Anspruch auf die Oberherrschaft durchsetzen kann. Die Belehnungsurkunde König
Ladislaus' für Jörg von Winden vom 9. August 1455 bietet dafür einen sicheren
Nachweis. Seit
den Anfängen der Windenschen Herrschaft über Inzersdorf besitzen wir erste
Nachrichten über einzelne Gewerbe im Ort, wobei auffälligerweise ähnlich wie
in Atzgersdorf (siehe S. 17) auch hier schon sehr früh ein Schneider bezeugt
ist (1377). Um die gleiche Zeit war der Arzt Herzog Leopolds III. Hofbesitzer in
Inzersdorf. Der Ort wurde in der Mitte des 15. Jh.s in die Wirren der Söldnerkämpfe
und des habsburgischen Bruderzwistes zwischen Kaiser Friedrich III. und
Erzherzog Albrecht VI. verstrickt. So lagerte im August 1461 dieser Erzherzog,
der seinem kaiserlichen Bruder den Kampf angesagt hatte, bei Inzersdorf, und am
13. November des folgenden Jahres sah man hier das Entsatzheer für den in der
Hofburg von den Wienern belagerten Monarchen. Ganz entscheidend für diese
Einbeziehung des Ortes in die kriegerischen Ereignisse dieser Tage war die
Verkehrslage von Inzersdorf an der schon aus der Antike stammenden Ausfallstraße
von Wien nach dem Süden, der heutigen Triester Straße. Im
Anschluss an die Herren von Winden folgte Johann Haiden als Stiefsohn Veronikas
von der Cambitz, offenbar aber erst nach dem Tod des 1455 genannten Jörg von
Winden, in der Ortsherrschaft nach. In der ersten Hälfte des 16. Jh.s ist uns
dann durch längere Zeit ein gewisser Matzebar zu Sunberg als Herrschaftsinhaber
bezeugt. Die Türkenbelagerung des Jahres 1529 brachte die Zerstörung der
mittelalterlichen Kirche mit sich. In eben dieser Epoche haben wir schon im Fall
von Atzgersdorf die allmähliche Ausbreitung lutherischen Gedankengutes im
Raum unseres Bezirkes beobachten können. Diese Entwicklung führte dazu, dass
Inzersdorf zu einem der bedeutendsten Zentren (neben Hernals, Vösendorf und
Rodaun) des Protestantismus in der Umgebung von Wien wurde. Verbunden ist der
Erfolg der Reformation im Ort vor allem mit den Grundherren aus der Familie der
Geyer von Osterburg, die ab den sechziger Jahren des 16. Jh.s die hiesige
Herrschaft in Händen hielten. In den folgenden Jahrzehnten führte der hier
abgehaltene protestantische Gottesdienst zu einem starken Zustrom von Leuten aus
der näheren und weiteren Umgebung, vielfach sogar aus der Stadt Wien. Bereits
am 14. Jänner 1579 erging ein Verbot an alle Fuhrleute, Personentransporte nach
Inzersdorf zu übernehmen. Protestanten, die 1583 aus Wien verwiesen wurden,
nahmen ihre Zuflucht u. a. auch hierher nach Inzersdorf. Die Schließung der
Kapelle im Jahre 1588 konnte angesichts der streng protestantisch eingestellten
Herrschaftsinhaber keinen Erfolg haben. Unter ihrem Schutz lebte der jeweilige
protestantische Prädikant im Grünhof (heute Draschestraße 90-92). Dabei dürfte
die wirtschaftliche Lage der Herrschaft ohne Zweifel recht günstig gewesen
sein, gelten doch Adam oder Christoph Geyer von Osterburg (1562-1586) auch als
Erbauer des Spiegelhofes, an dessen Stelle im 18. Jh. das Neue Schloss entstand. Der
zähe Kampf, den sich in Inzersdorf Herrschaft und Protestantismus auf der einen
sowie Zentralgewalt (Kaiser) und Gegenreformation auf der anderen Seite
lieferten, wird an der Reihenfolge der Herrschaftsinhaber besonders deutlich.
Schon vor 1598 griff der Kaiser nämlich zu einem neuen Mittel, indem er seine
(seit der Zeit der Herren von Winden bestehende) Oberhoheit als Lehensherr
wieder stärker betonte. Bis in die Mitte des 17. Jh.s kam es also immer wieder
zu Belehnungen mit dem Dorfgericht zu Inzersdorf durch den Landesfürsten, wobei
eine Zeitlang die Familie Stubenvoll hier eine bedeutendere Rolle spielte. Während
all dieser Maßnahmen des Kaisers gelang es aber den Geyers von Osterburg, ihre
hiesige Position und ihre prinzipiellen Rechtsansprüche zu wahren, und bis ins
Jahr 1666 konnten sie sich hier behaupten. Dabei wirkten sich die
Auseinandersetzungen sehr wohl auch im Ort selbst merklich aus, wenn wir von der
demonstrativen Wiedereröffnung der Kapelle im Jahre 1608 und von ihrer
abermaligen Schließung 1625 erfahren. Die Ereignisse des Jahres 1608 sind
besonders anschaulich überliefert: Als damals nämlich Erzherzog Matthias, der
Bruder und spätere Nachfolger Kaiser Rudolfs II., in Wien einzog, schlossen die
protestantischen Stände, die Interessensvertretung des Adels also, Ober und
unter der Enns ein Bündnis zur Wahrung ihrer Rechte und Interessen. Der Inzersdorfer
Grundherr öffnete daraufhin demonstrativ seine bis dahin gesperrte Kirche für
den protestantischen Gottesdienst. Einen kaiserlichen Befehl zur abermaligen
Schließung ließ Geyer von Osterburg von der Kirchentür, an der er
angeschlagen worden war, abreißen, woraufhin er gefangen nach Wien geführt und
das Gotteshaus mit Gewalt geschlossen wurde. In den dreißiger Jahren (bis 1637)
wurde dann sogar die Pfarre Inzersdorf, die schon im 16. Jh. nach der Türkenbelagerung
eine Zeitlang von Wien aus versehen worden war, aufgehoben und der Pfarre
Atzgersdorf angeschlossen. Man versuchte somit, sowohl von der kirchlichen als
auch von der herrschaftlichen Seite her, der Gegenreformation hier endgültig
zum Sieg zu verhelfen. Die
Familie Geyer konnte sich jedenfalls am längsten von allen protestantischen
Grundherren im Bezirk halten, wobei die Umgebung nach und nach rekatholisiert
wurde (siehe etwa die Jesuitenherrschaft in Mauer ab 1609, S. 64). Erst 1666 sah
sich dieses Adelshaus zum Verkauf seiner Herrschaft an Peter von Aichen und
seine Gemahlin Elisabeth gezwungen. Diesen neuen Herrschaftsinhabern waren aber
nur wenige Jahre einer gedeihlichen Entwicklung vergönnt. Die Pest des Jahres
1679 und vier Jahre später dann vor allem die Zweite Türkenbelagerung waren
zwei furchtbare Schicksalsschläge für den Ort. Inzersdorf lag 1683 in Schutt
und Asche, und auch die Gewährung von 16 Freijahren, in denen also keinerlei
Abgaben an den Grundherren zu bezahlen waren, führte nur allmählich wieder zu
einer Besserung der Situation. Die Familie von Aichen konnte jedenfalls ihren
Besitz nicht retten, die Grundherrschaft gelangte zu Anfang des 18. Jh.s an die
Freiherrn von Königsacker, die bis 1765 (zuletzt in weiblicher Linie) Herren
von Inzersdorf blieben. Im
Ort blühte das 1683 so vernichtend getroffene Leben nur sehr zaghaft und
langsam wieder auf. 1693 wird zwar bereits im Gemeindegasthaus Bier
ausgeschenkt, aber noch 1716 hören wir vom schweren Los der hiesigen Bauern.
Damals empörten sich 21 Inzersdorfer und 10 Vösendorfer Untertanen gegen die
Herrschaft, die trotz Brand und Missernten unvermindert ihre Steuern eintrieb.
Zur Strafe wurden diese Aufwiegler in Eisen und Band geschlagen und zu acht
Tagen Arbeit im Wiener Stadtgraben, also zu Bauarbeiten an den
Befestigungsanlagen der Residenzstadt, verurteilt. Aus dem Pestjahr 1713 wissen
wir von fünf Toten in Inzersdorf. Ein Jahr vorher wurden im
Gemarchbegehungsprotokoll vom 25. April 1712 die Grenzen des Inzersdorfer
Gemeindegebietes genau ausgewiesen. Daraus ist zu ersehen, dass die Spinnerin am
Kreuz auf dem Wienerberg damals zum Inzersdorfer Gebiet gerechnet wurde, womit
also der gesamte Südabhang des Wienerberges zu Inzersdorf zählte. Die
Kirche wurde unter Gräfin Maria Antonia von Auersperg, der letzten Grundherrin
aus der Familie der Freiherrn von Königsacker' renoviert (um 1750). 1765
verkaufte die Gräfin die Herrschaft an Ferdinand Bonaventura Anton Graf von
Harrach, der in den Jahren danach das prächtige Neue Schloss, ehemals neben der
Inzersdorfer Konservenfabrik im Bereich der heutigen Autobahn, errichten ließ. In
dieser Epoche erfolgte auch die Begründung eines neuen Wirtschaftszweiges in
Inzersdorf, der ab dem 19. Jh. die Bedeutung des Ortes ganz wesentlich bestimmen
sollte. Als nämlich im Jahre 1757 mit kaiserlicher Resolution sämtliche
Ziegeleien aus dem Weichbild von Wien verbannt wurden, kam es etwa 20 Jahre später
auf Initiative Maria Theresias zur Errichtung der Ziegelei in Inzersdorf für
die Zwecke der Militärbauten (1775). Freilich war die Bedeutung dieser neuen
Erwerbsquelle zunächst noch nicht so groß. Sie stand von Anfang an im Besitz
der Grundherrschaft und kam im Jahre 1778 auf eine Jahresproduktion von 1,5
Millionen Ziegeln. Die Basis des Inzersdorfer Wirtschaftslebens stellte damals,
wie auch sonst im Gebiet des heutigen Bezirks, eindeutig die Landwirtschaft dar. Wohl
nicht zuletzt im Zusammenhang mit den durch die Ziegelei gegebenen neuen
Verdienstmöglichkeiten und auch dem hohen Standard der landwirtschaftlichen
Produktion in dieser Epoche ist auch die Erweiterung des Ortes durch die Begründung
des Ortsteiles Neustift‑Straßenhäuser an der Triester Straße zu sehen.
1773 entstanden zu beiden Seiten dieser uralten, bedeutenden Verkehrsverbindung
acht Häuser, die die Keimzelle des neuen Ortsteils bildeten. Nach den Berufen
der dort Ansässigen zu schließen, die vielfach mit dem Verkehrswesen in
Verbindung standen (Fuhrleute, Schmiede, Sattler), war es sicherlich auch das
gesteigerte Verkehrsaufkommen, das zum Aufblühen der neuen Ansiedlung maßgeblich
beitrug. Seit
jeher stellten die immer wiederkehrenden Überschwemmungen des Liesingbaches
(Hochwassergasse!) eine schwere Bedrohung des Inzersdorfer Gemein Wesens dar.
Aus der Ära des Grafen von Harrach ist uns ein solches Hochwasser erstmals überliefert
(1768), und schon damals begann man mit ersten Regulierungsarbeiten (1770). Wie
lange es dauerte, bis die Liesing freilich endgültig gezähmt werden konnte,
ist ja sogar den heutigen Bewohnern des Bezirkes noch in Erinnerung. Die letzten
verheerenden Überschwemmungen in Inzersdorf liegen erst drei Jahrzehnte zurück
(1950/51). Zu
Anfang des 19. Jh.s hielt die Industrie auch in diesem Ort ihren Einzug, und es
setzte allmählich ein Strukturwandel ein. Bezeichnend ist freilich der Umstand,
dass es von Anfang an Fabriken aus dem Bereich der Lebensmittelindustrie waren,
die hier das Ortsbild prägten. Textilfabrikation war dagegen nur auf den
Steinhof beschränkt, der seit dem Ende des 18. Jh.s grundherrschaftlich mit
Inzersdorf verbunden war (siehe S. 126). Die Herrschaft Inzersdorf kam im Jahre
1802 durch Kauf an Jakob Joseph von Simonis, von dessen Erben sie im Jahre 1807
Jakob Fürst a Sancto Mauro, Herzog von Corigliano-Saluzzo erwarb. Die
Schwierigkeiten der französischen Einquartierungen von 1805 und 1809, die den
Ort ebenso wie Atzgersdorf und Erlaa betrafen, aber auch die angespannte
wirtschaftliche Lage dieser Jahre (1811 Staatsbankrott) mögen das Ihre zu
diesem Besitzerwechsel beigetragen haben. Bleibende Bedeutung erhielt der neue
Grundherr aus piemontesischem Adelsgeschlecht durch die Errichtung der neuen,
heutigen Nikolauskirche in den Jahren 1818-1820, nachdem der alte Bau am 8. Juni
1817 einem Brand zum Opfer gefallen war. Der neue klassizistische Rotundenbau
ist bis heute als letztes bedeutendes Zeugnis der Bauwerke der
grundherrschaftlichen Periode in Inzersdorf erhalten. Die
zwanziger Jahre des 19. Jh.s führten zu einem einschneidenden Wechsel in der
Herrschaft über den Ort, indem die grundherrliche Gewalt in die Hand eines Bürgerlichen
gelangte. Allerdings handelte es sich dabei um einen Mann, der als Pionier der
österreichischen Industriegeschichte gelten darf, nämlich um Alois Miesbach.
Er war 1791 in Mähren geboren worden und hatte in jungen Jahren auf weiten
Reisen durch Europa umfassende Erfahrungen vor allem auf dem Gebiet des Bergbaus
sammeln können. 1824 pachtete er vom Herzog von Corigliano die schon vorhin
beschriebene, 1775 gegründete Ziegelei und konnte in den folgenden Jahren von
den Kindern des Herzogs nach und nach die uneingeschränkte Grundherrschaft über
Inzersdorf erwerben. Unter ihm nahmen dann die Inzersdorfer Ziegeleien ihren maßgeblichen
Aufschwung. Sein wirtschaftlicher Weitblick manifestierte sich auch in der
Pachtung des zwischen 1797 und 1803 errichteten Wiener Neustädter Kanals im
Jahre 1846, womit er zum wichtigsten Ziegel- und Kohlelieferanten für ganz Wien
wurde. In
Inzersdorf selbst setzte sich Miesbach mit der Erweiterung der Kirche gegen den
Liesingbach zu (Raumausbau für Hochaltar und Sakristei) im Jahre 1846 ein
Denkmal. Das Ende der grundherrschaftlichen Epoche im Revolutionsjahr 1848, während dessen in Inzersdorf eine Nationalgarde zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit aufgestellt wurde, brachte auch hier die Installierung von Gemeindevertretung und Bürgermeister; von 1850‑1864 fungierte Josef Partl als erster Bürgermeister der freien Gemeinde. Die wirtschaftliche Situation im Ort blieb freilich weiterhin ganz maßgeblich durch den Inhaber der Gutsherrschaft und der Ziegeleien bestimmt, als in Nachfolge seines Onkels, der Erbauer des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Heinrichhofes an der Wiener Ringstraße, Heinrich Ritter Drasche von Wartinberg (1811-1880), ab 1857 die Geschäfte fortführte. |