|
|
|
Alfred Erhard-Überall Steinzeit in Mauer - Das jungsteinzeitliche Hornsteinbergwerk in Mauer Die Antonshöhe in Mauer krönt eine Juraklippe, die jahrzehntelang der Gemeinde Mauer als Materiallieferant zur Straßenschotterung diente und daher zum größten Teil abgetragen wurde (vor 1938 wurde noch die Dr. Schober Straße geschottert und die obere Anton Krieger-Gasse für die schweren Militärfahrzeuge befestigt). 1924 kamen bei Sprengungen menschliche Skelette zum Vorschein. Es wurden auch tiefe, mit Gesteinstrümmern gefüllte Schächte freigelegt, deren neolithisches Alter aufgrund von Geräten, wie Hammer und Schlögel eindeutig festzustellen war. Auch das Füllmaterial der Schächte wies zum großen Teil Spuren bergmännischer Tätigkeit auf. Es besteht aus hunderttausenden Abschlagstücken verschiedenster Größe, die bei der Bearbeitung von bergmännisch ein Abraum anfielen. Die bis 10 Meter tiefen Schächte enthielten aber auch größere Mengen von Hirschgeweihstücken, die den Bergwerkarbeitern als Brechstangen zum Lockern der Hornsteinschichten dienten. Geweih war ein sehr knapper Rohstoff, das merkt man auch an den sehr stark abgenützten Geweih-Werkzeugen. Die Geweihteile wurden für die Bergbauarbeit zugerichtet (Stücke in der passenden Länge abgebrochen). Geweihsprossen und eine Bärenrippe wurden zu Keilen zugerichtet. Ein Stück einer Rinderrippe wurde als Schaber verwendet. Die Gegend um das Bergwerk hat sich nur unwesentlich verändert. so könnte dort auch noch heute - wie damals - der Rothirsch, Elch und Bär leben. Durch die immer mehr zuwandernden Menschen wurden sie vertrieben. Außer diesen Tieren kamen noch vor: Hausrind, Hausziege, Schwein, Haushund. Es wurden auch Scherben keramischer Gefäße (kleine Schalen und Töpfe) gefunden. Es liegt hier zweifelsfrei ein wichtiges Handelszentrum der jüngeren Steinzeit vor! Der älteste, bisher entdeckte Bergwerksbetrieb Österreichs. Die für uns wesentliche Juraklippe stellt sich als ein in einer Klippenhülle steckender tektonischer Quetschling dar, dessen Gesamtausdehnung wahrscheinlich nicht sehr groß ist. An kaum einer anderen Stelle im alpinen Bereich treten so kompakte Hornsteinschichten auf wie in Mauer.
Beschreibung des Materials Entstanden war dieser Hornstein aus Ablagerungen eines Meeres vor ca. 150 Millionen Jahren. Die vorhandene Kieselsäure durfte zum Großteil vulkanischen Ursprungs sein. Wie kam es nun zu so einer Anhäufung des kostbarsten Rohstoffs der damaligen Zeit? Erdbewegungen haben eine "Klippe" hervorgetrieben. Das ist eine, bei der Bildung der Gebirge herausgestoßene oder vorgeschobene Gesteinsmasse, die in der Regel von anderer Art ist, als ihre Umgebung. Hier in Mauer ist diese Klippe erfüllt von Hornstein. Die schräg einfallende Hornsteinschicht wurde von oben durch senkrechte Schächte durchstoßen, um in kurzen untertägigen "Strecken" (horizontale Vortriebe) Radiolarit gewinnen zu können. Das von den Bergleuten gewonnene Material ist ein Radiolarit; als Anzeichen seiner marinen Bildung sind auch noch Aptychen (Verschließdeckel von versteinerten Tintenfischen) zu sehen. Wahrscheinlich handelt es sich um ein Tiefseesediment. Die Kieselsäure selbst durfte zum Großteil vulkanischer Herkunft sein. Geringe Mangan- und Eisengehalte geben die Färbung ab, wie sie uns heute als dunkelrot violett oder grünlichbraun entgegentreten. Feuerstein kommt in Österreich nirgends vor. Feuerstein und Hornstein sind allerdings sehr ähnliche Materialien, Feuerstein ist lediglich etwas transparenter. Hornstein ist - wie Glas - feinstkristallin. Hornstein kommt in Österreich in fast allen Kalken vor. Im Bereich Salzburgs (Tennengebirge, Totes Gebirge z.B.) beispielsweise und in einer Höhle bei Alland (NÖ) gab es dunkelgrauen Hornstein. Auch bei Kirchberg an der Pilach wurde Hornstein gefunden; dort gab es rote und graue Schichten im Kalk (Probe: Kalk ist ritzbar, Hornstein aber nicht). Der Name Feuerstein kommt vom Feuermachen. Die Funkenerzeugung zwischen Feuerstein und Stein ist sehr schwierig (leichter geht es mit Feuerstein und Stahl). Feuerstein kommt überall vor, wo Kreideschichten sind. (Südküste England, Helgoland, Rügen, Norddeutschland). Die Kalke in Österreich sind aus Meeresablagerungen entstanden, nur im Wiener Becken gibt es auch Kalke von Seeablagerungen. Erste Menschen in Mauer Vor etwa 5000 Jahren kamen die ersten Menschen in das bewaldete Gebiet (heute Mauer). Die Menschen der Lengyelkultur (Bemaltkeramik) stellten sich schon einfache Holzhütten auf‑, es ist allerdings nicht bekannt, in welchen Unterkünften die Menschen in Mauer lebten. Bis jetzt wurden auch noch keine Siedlungen im Bereich des Bergwerks gefunden. Die ältesten Siedlungen im 23. Bezirk bis heute wurden in Erlaa entdeckt. Wahrscheinlich hatten die Bergwerksarbeiter m der Nahe des Steinbruchs ihre einfachen Unterkünfte. Sie bauten aber nicht nur das Rohmaterial ab, sondern stellten auch fertige Werkzeuge und Waffen her, wie Bearbeitungssplitter verschiedenster Größe zeigten. Insgesamt fand man auch sieben Skelette. Diese Arbeiter hatten hier auch kleine Familien‑Gemeinschaften gegründet, denn es wurden auch drei Frauen‑Skelette, eines von einem achtjährigen Kind und eines von einem Säugling mit höchstens fünf Monaten gefunden. Möglicherweise wurde in den engen Strecken das Material von Kindern transportiert. Die Todesursache ist nicht leicht feststellbar: Äußere Gewalteinwirkung wurde nicht angewendet,; das Durchschnittsalter der Erwachsenen war sehr niedrig (25-30 Jahre). Auffällig war, daß die Frauen einen eher kleinen, grazilen Körperbau hatten (Größe ca. 151 cm) und - im Gegensatz dazu - große, robuste Schädel aufwiesen. |