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Vom Bernheier zum Rosner Das Haus Geßlgasse 10 im Wandel der Zeit 1 2 3 Carl und Franziska Bernheier kamen etwa 1875 von Schlesien nach Wien. Carls Eltern waren Färber; dieses Gewerbe erfuhr damals wie das der Weber (vgl. Gerhard Hauptmanns "Weber") einen unglaublichen Niedergang. So lernte Carl den Beruf des Bäckers. Er verließ Schlesien und siedelte sich mit seiner Frau in Mauer, zunächst Ecke Maurer Lange Gasse und Johann Teufel-Gasse an (spätere Bäckerei Lössl). 1886 kaufte er die Bäckerei Ecke Maurer Lange Gasse und Geßlgasse. Im Jahr 1902 haben die Bernheiers das bestehende Geschäft zurückversetzt und aufgestockt. Man erzählt, daß das alte Geschäftslokal soweit in die Straße geragt haben soll, daß mit der Straßenbahn Vorbeifahrende durch das manchmal offene Fenster griffen, um Semmeln zu nehmen. Carl Bernheier soll ein sehr umgänglicher Mensch gewesen sein, der gerne in Wirtshäuser ging und mit seinen Kunden in gutem Kontakt stand. Carls Söhne Albin und Adalbert übernahmen das Geschäft gemeinsam; der eine war Bäcker, der andere Konditor. Adalbert starb leider früh an Tuberkulose. So führte Albin das Geschäft alleine bis 1953. Er hatte rund 20 Mitarbeiter; zwei Lieferwagen waren ständig unterwegs. Er machte riesige Umsätze, wenngleich die Gewinne nicht sehr hoch waren, da man in der damaligen Zeit zu niedrigen Preisen verkaufen mußte. Dennoch hatte der Name Bernheier damals eine ähnliche Bedeutung wie heute Mann oder Striegl. 1936 übernahm er das Geschäftslokal am Maurer Hauptplatz 5 von Hans Weinzierl. 1955 wurde dieses Haus abgerissen. In den Neubauten der Gemeinde Wien erhielt Bernheier wieder ein Geschäftslokal. Sein Sohn Günther Bernheier übernahm 1953 den Betrieb. Dessen Frau verkaufte in der Konditorei am Hauptplatz, seine Schwester, Traude Hofer, zeitweise in der Konditorei in der Maurer Lange-Gasse. Der Meinl, vor allem nach seiner Übersiedlung vom alten Geschäftslokal (heute ehemalige CA, Ecke Geßlgasse Maurer Lange Gasse) auf den jetzigen größeren Standort, war bereits eine starke Konkurrenz für Bernheier (Meinl arbeitete mit der Konditorei Heiner zusammen). Zusätzlich ergab sich das Rationalisierungsproblem. Sollte man um Millionen Schilling Maschinen kaufen (z. B. eine Semmelstraße), um ähnlich kostengünstig produzieren zu können wie die Großbäckereien? Was wäre, wenn diese Investitionen nicht mehr durch den Verkauf abgedeckt werden könnten? Günther Bernheier wollte diese Fragen nicht mehr entscheiden und setzte sich - auch aus Gesundheitsgründen - 1981 zur Ruhe. Er ist der letzte Sproß der ältesten Maurer Gewerbefamilie. Er verkaufte das Haus in der Maurer Lange Gasse und die Mietrechte am Hauptplatz an die Familie Möser. Andreas Rosner begann 1978 seine Lehre bei Günther Bernheier. Im Sommer 1985 mußte die Konditorei in der Maurer Lange Gasse aufgegeben werden, da die Konkurrenz am Süßwarensektor durch die aufkommenden Supermärkte in unmittelbarer Nachbarschaft einfach zu groß wurde. Von der Handelsware konnte man ohnedies nicht leben und die Bäckereien waren in der nahegelegenen Filiale am Hauptplatz ja ohnedies erhältlich. So konnte man durch die Einnahmen im Geschäft in der Maurer Lange Gasse nicht einmal mehr das Gehalt der Verkäuferin finanzieren. Herr Rosner machte 1986 die Meisterprüfung und 1987 die Konzessionsprüfung für das Gast- und Schankgewerbe. Im August 1993 übemahm er die Konditorei gemeinsam mit seiner Gattin von der Familie Möser, da die Kinder der Familie Möser kein Interesse hatten. Die Backstube ist nach wie vor im Eckhaus Maurer Lange Gasse, wo Herr Rosner jetzt eingemietet ist. Im alten Bernheier-Haus sind in der Zwischenzeit einige Geschäfte eingemietet, die dazu beitrugen, daß die prächtige Renovierung, die derzeit im Gange ist, möglich wurde. Im direkten Anschluß an das Haus wird jetzt ein weiteres Haus angebaut, in dem ebenfalls wieder ein oder zwei Geschäftslokale Platz finden sollen. Auf neun Metern Höhe werden Wohnungen errichtet. Im Konditor-Angebot hat sich in den letzten Jahren einiges geändert. Während Günther Bernheier in den 70er Jahren noch auf Fettcremen setzte und eher üppige Mehlspeisen, wie Baumstämme und Pyramiden anbot, wechselt man jetzt auf leichte Oberscremen. Schon seit Bernheiers Zeiten beliebt ist der Schokowürfel, der mit Pariser Creme (Schlagobers mit Schokolade) gefüllt ist. Für diese Mehlspeise kommen auch Hietzinger gerne nach Mauer. Rosner führte die Mozart-Torte ein, eine Schokoladetorte mit Pariser Creme und Pistazzien-Creme gefüllt und mit Marzipan gedeckt. Mit der Joghurt-Obers-Torte wurde der Weg Richtung leichte Cremen eingeschlagen. Die Trüffeltorte wurde unter Bernheiers Zeiten noch mit einer schweren Fettcreme gemacht, jetzt verwendet man eine ganz leichte Oberscreme. Für Hinweise danken wir: Günther Bernheier, Traude Hofer und Andreas Rosner. |