Das Gebiet des heutigen 23. Wiener Gemeindebezirkes, das mit seiner Lage am Abfall des Wienerwaldes und am Beginn des Wiener Beckens Anteil an den wichtigsten Landschaften des Wiener Raumes hat, war schon in prähistorischer Zeit von Menschen besiedelt. Leider wurde die Erforschung dieser Epoche für den Grenzbereich der Großstadt Wien (bzw. vor 1938 dieser Ortsgemeinden rund um die Stadt Liesing) nur selten mit dem nötigen Professionalismus betrieben. Blinder Forscherdrang von dilettantischen Amateurarchäologen wirkte sich dabei immer wieder negativ aus und verhinderte mitunter eine exakte wissenschaftliche Aufnahme der gar nicht so seltenen und durchwegs interessanten Funde. An erster Stelle ist jedenfalls die geradezu sensationelle Aufdeckung eines Jungsteinzeitlichen Hornsteinbergwerkes auf der Antonshöhe in Mauer (jetzt Naturlehrpfad) zu nennen, die vom Leiter der anthropologisch-prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums, Dr. Josef Bayer, 1929 ausgewertet werden konnte. Bereits im August 1924 hatte man dort zwei menschliche Skelette (mit Tierknochen) gefunden, die exakte wissenschaftliche Grabung fünf Jahre später brachte dann den eindeutigen Nachweis, dass hier bereits im dritten vorchristlichen Jahrtausend Bergbau betrieben wurde. Ebenfalls noch aus der Jungsteinzeit stammen Scherben der sogenannten Donauländischen Kultur, die man in Atzgersdorf gefunden hat. Die Funde in Siebenhirten und Inzersdorf sind zwei Jahrtausende später anzusetzen und der Latène-Kultur zuzurechnen (ab etwa 450 v. Chr.) und stammen somit von einer keltischen Bevölkerung. Jüngste Bodenaufschlüsse bei Neubauten in Atzgersdorf (Keltengasse) und Liesing (Ecke Breitenfurter Straße/Dirmhirngasse) haben ebenfalls den Nachweis keltischer Besiedlung in unserem Raum erbracht.
Auf diese bzw. eine keltisch-illyrische Mischbevölkerung trafen die Römer, als sie zu Anfang unserer Zeitrechnung begannen, den österreichischen Raum bis zur Donau in ihre Machtsphäre einzubeziehen. In dieser Epoche wurden Fernverkehrsverbindungen angelegt, die durch das heutige Bezirksgebiet führen und bis in die Gegenwart Straßenzüge darstellen, die sich durch zwei Jahrtausende hindurch kaum verändert haben. Es handelt sich dabei im wesentlichen um zwei Straßen, die allerdings beide Teile einer einzigen Verbindung waren, nämlich der zwischen Vindobona (Wien) und Scarabantia (Ödenburg, Sopron). Der westliche Ast dieses Straßenzuges verlief von Wien -Mariahilfer Straße Penzinger Straße Nisselgasse - Furt bei der Kennedybrücke Lainz - Mauer Kalksburg (über die Liesing) - Rodaun - Perchtoldsdorf, der im Mittelalter als "Gebirgsrandweg" (bis nach Bad Fischau) bezeichnet wurde. Die zweite für uns interessante Verbindung war der östliche Ast dieses Straßenzuges, der unseren Bezirk entlang der Triester Straße (Funde von fünf römischen Meilensteinen in Inzersdorf) querte.
Mit diesen Straßen sind auch die bedeutendsten römischen Siedlungsfunde auf unserem Gebiet verbunden. Am ergiebigsten waren in dieser Hinsicht zweifelsohne die Ausgrabungen, die in den Jahren nach 1948 beim Bau der städtischen Kläranlage in Inzersdorf durchgeführt werden konnten. Dabei wurde eine Gruppe von Häusern angeschnitten, die man von archäologischer Seite als die Überreste eines im Anschluss an eine einheimische (keltische) Siedlung errichteten Veteranendorfes (für ausgediente römische Soldaten) deutete. Damit hätten also römische Soldaten nach Ableistung ihres Dienstes hier in der weiteren Umgebung des Legionslagers an dessen Ausfallstraße nach Süden hin gelebt. Ansonsten sind für unseren Bezirk bisher keine größeren Besiedlungsspuren nachweisbar. Mehrere Grabfunde (etwa in der Carlbergergasse) sind nicht eindeutig als Teil einer Siedlung zu deuten.
Noch ist aber eines weiteren Zeugnisses der Römerzeit zu gedenken, das ebenfalls in heutigen Gegebenheiten noch nachwirkt, nämlich der Reste der römischen Wasserleitung. Bescheidene Spuren weisen darauf hin, dass sie von Rodaun nach Liesing verlief, wo sie ihre Richtung dann änderte. Die bekanntesten Bodenaufschlüsse stammen aus den Gemeindegebieten von Mauer und Atzgersdorf, von wo die Wasserleitung weiter nach Hetzendorf verlief.
Zweifellos wurde auch unser Raum von den verschiedenartigen Schicksalsschlägen zur Zeit der Römerherrschaft betroffen. Mit archäologischem Fundmaterial zu belegen ist dann das Ende der römischen Präsenz und der Beginn des frühen Mittelalters. Die Völkerschaften der beginnenden Völkerwanderungszeit zogen auch über unser Gebiet und lassen sich in hiesigen Grabfunden verschiedentlich nachweisen. Gotisch‑alanische Funde wurden etwa 1952/53 beim Bau des Turnsaaltraktes der Schule Wienerfeld‑Ost im Grenzbereich zwischen dem 10. und 23. Wiener Gemeindebezirk (auf altem Inzersdorfer Boden) gemacht, aus Atzgersdorf wissen wir 1845/46 von Grabfunden, die mit großer Wahrscheinlichkeit in dieselbe Epoche (5. Jh.) gehören. Das Volk der Langobarden hat auf dem Boden des Bezirkes bis zu seinem Abzug nach Italien (568) keine erkennbaren Spuren hinterlassen, doch wissen wir von langobardischen Funden in der unmittelbaren Nachbarschaft (Perchtoldsdorf, Mödling).
Nach neuen Forschungsergebnissen lassen sich mancherorts bereits neben den Langobarden die ersten Anfänge slawischer Besiedlung erkennen. Inwieweit sich für den Bereich des Bezirkes ein solch direkter Anschluss annehmen lässt, ist mangels ausreichenden Fundmaterials (noch) nicht abzuschätzen. Jedenfalls beginnt mit der Phase slawischer Besiedlung eine Epoche, die zumindest für zwei der hiesigen alten Orte mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ein kontinuierliches Bestehen seit dem Frühmittelalter vermuten lässt. Bei den Namen Liesing und Rodaun handelt es sich nämlich eindeutig um slawische Bezeichnungen, wobei die erste die Bedeutung von "Waldbach", die zweite die eines slawischen Mädchennamens hat. In beiden Fällen stammt die erste Überlieferung der Ortsnamen aus einer Zeit (11. bzw. 12. Jh.), in der kaum mehr mit bedeutenderen slawischen Bevölkerungsteilen zu rechnen ist. Wenn nun aber trotzdem der slawische Name weiterbestehen konnte und zudem bis ins Spätmittelalter in ausgesprochen slawischer Schreibweise Verwendung fand (Liezniccha u. ä.), so ist der Rückschluss auf eine bedeutendere Siedlungsphase im Frühmittelalter durchaus zulässig. Hier springt nun - zumindest im Fall von Liesing - die Archäologie mit einem ganz sensationellen Fundergebnis in die Bresche der so lückenhaften Überlieferung. In der Carlbergergasse (auf dem Gelände der Gräf & Stift-Werke) konnte nämlich nach dem Zweiten Weltkrieg ein umfangreiches awarenzeitliches Gräberfeld des 7. bis 8. Jh.s entdeckt werden. Nun handelt es sich dabei zwar nicht um slawische, sondern um awarische Funde, dennoch sind sie in unserem Zusammenhang von höchstem Interesse. Das mongolische Reitervolk der Awaren, das erst von Karl dem Großen zu Anfang des 9. Jh.s endgültig besiegt werden konnte, war seit der Mitte des 7. Jh.s in verstärktem Maße nach Westen (und damit auch in den österreichischen Raum) vorgedrungen. Dabei kam es zu vielfältigen Kontakten mit den hiesigen Bevölkerungsgruppen. Nahm man früher an, dass es sich um ein Untertanenverhältnis (Slawen unter der Herrenschicht der Awaren) gehandelt habe, so denkt man jetzt an die Möglichkeit eines Assimilationsprozesses, dass sich also die Slawen in vielem an die Lebensgewohnheiten der Awaren angeglichen hätten. Damit könnte man aber die umfangreichen awarischen Gräberfelder, die man in Liesing, Mödling (Goldene Stiege), Kaiserebersdorf und an anderen Orten aufgedeckt hat, als Zeugnisse der slawischen Bevölkerung auffassen. Hat man in Rodaun bisher noch keine Awaren - oder Slawenfunde gemacht, so korrespondiert sein slawischer Name doch in auffälliger Weise mit seiner Lage an dem vorhin erwähnten, römerzeitlichen Straßenzug von Penzing über Lainz - Mauer - Kalksburg - Rodaun Perchtoldsdorf nach Mödling. Gemäß dem auch sonst häufig festzustellenden Zusammentreffen von Awarenfunden mit Römerstraßen hat man nämlich auch hier eine ganze Reihe von awarenzeitlichen Grabfunden machen können (14., Penzinger Straße/Diesterweggasse - 13., Unter St. Veit, Spohrstraße - Perchtoldsdorf - Mödling). Auch sprechen die slawischen Ortsnamen von Mödling und wohl ebenfalls von Lainz für eine Kette awarisch-slawischer Stützpunkte an dieser seit der Römerzeit vielbegangenen Straße.
Die letzten zwei Jahrhunderte des ersten Jahrtausends unserer Zeitrechnung lassen sich für den Bereich unseres Bezirkes nur anhand der allgemeinen Entwicklung (d. h. anhand von Analogieschlüssen) rekonstruieren. Einer kurzen Phase fränkischer Kolonisation aus dem Westen, von der sich allerdings keine Spuren erhalten haben, folgten mit dem Auftreten der Ungarn (ab 881) wieder unruhigere Zeiten. Nimmt man als zeitliche und räumliche Parallele die Entwicklung von Mödling, wo sich in dieser Epoche eine erste Ansiedlung um die 1787 demolierte Martinskirche (an der Stelle der heutigen Waisenhauskirche östlich des Bahnhofs) bildete, könnte man auch in unserem Gebiet mit solchen Siedlungsversuchen und -ansätzen rechnen. Vielleicht weist auch die Nachricht von einem Gerichtstag König Karlmanns in Baden im Jahre 869 auf einen regeren Verkehr auf der Römerstraße über Mauer-Rodaun hin. Die Ungarn unterbrachen bzw. vernichteten jedenfalls solche zaghaften Ansätze ziemlich gründlich, und erst gegen Ende des 10. Jh.s waren die Erfolge der Offensive gegen sie so weit gediehen, dass man an eine Neukolonisation gehen konnte. Mit der Zeit um 1000 sind jedenfalls die Anfänge der nun dauerhaften Besiedlung des Bezirksgebietes zu verbinden, die zum überwiegenden Teil bis auf den heutigen Tag fortbesteht.