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Unser Bezirkshistoriker Gerald Netzl berichtet:

Als erster Wiener Bezirk gedenkt Liesing der Opfer der Euthanasie im Nationalsozialismus. Am 15. Mai 2018 wurde im Zuge der offiziellen Eröffnung des Liesinger Schlossparks (Perchtoldsdorfer Straße/Haeckelstraße) für sie eine Gedenktafel enthüllt. Sie trägt die Namen von 140 ermordeten Menschen mit Bezug zum heutigen 23. Bezirk Liesing, die laut den Recherchen des Vereins „Steine der Erinnerung in Liesing“ in den Jahren 1940 und 1941 ermordet wurden. Die Eröffnung fand im Beisein von Bezirksvorsteher Gerald Bischof statt.

Viele dieser psychisch kranken oder behinderten Menschen lebten zuvor im sog. Versorgungshaus, einer Pflegeanstalt im Liesinger Schloss, und in anderen sozialen Einrichtungen im damaligen 25., heutigen 23. Bezirk. Die Tafel erinnert außerdem an Personen, die zuvor in Liesing wohnhaft waren, dann kurzzeitig in Anstalten außerhalb Wiens untergebracht und in Hartheim und anderen Tötungsanstalten ermordet wurden. Leider ist über die meisten Opfer nur sehr wenig bekannt. Es finden sich darunter viele ältere Menschen, aber nicht nur – ein Liesinger Mädchen kam zunächst nach Gugging und wurde im Alter von 15 Jahren ermordet.

Auszug aus dem Tafeltext: „Die systematische Ermordung sogenannten ‚unwerten Lebens‘ erfolgte ab 1940 in Hartheim bei Linz und in fünf Tötungsanstalten in Deutschland. Auf Druck der Öffentlichkeit wurde die zentral gesteuerte Ermordung 1941 gestoppt, in einzelnen Anstalten wurde sie allerdings trotzdem bis 1945 weitergeführt. Insgesamt wurden etwa 200.000 Menschen ermordet.“

Foto der Gedenktafel