Geschichte des Schulwesens in Siebenhirten

Da im Jahr 1866 ein großer Brand unter anderem auch das Siebenhirtner Gemeindearchiv vernichtete, lässt sich die Entwicklung des Schulwesens nicht mehr lückenlos erforschen. Es deuten viele Anhaltspunkte darauf hin, dass schon lange vor 1797 Unterricht erteilt wurde und zwar abwechselnd in verschiedenen Häusern - insbesondere in einem Lokal des Brauhauses Schellenhof.

Die Erbauung eines eigenen Schulhauses an der Stelle Ketzergasse 42 fällt in das Jahr 1797/98 (wahrscheinlich infolge des Hofdekrets Maria Theresias "Allgemeines Schulordnungsgesetz 1774").

Im Jahr 1855 wurde unter dem Bürgermeister Josef Kraup an der Ecke Ketzergasse - Dr. Hanswenzl Gasse (gegenüber dem Gasthaus "Kellner") ein neues Schulhaus mit zwei Klassen errichtet. Bald mussten durch das Wachsen der Schülerzahl einige Klassen in Privathäusern untergebracht werden.

Da die 1855 errichtete Schule zu klein war und den gesetzlichen Bestimmungen nicht mehr entsprach, wurde im Jahr 1884 unter dem Bürgermeister Josef Weichselbaum vom Stadtbaumeister Zatzka an der Stelle Ketzergasse 42 ein einstöckiges Schulhaus mit vier Klassen erbaut und am 5.1.1885 bezogen. Wegen ständig steigender Schülerzahlen wurde das Schulgebäude 1896 um zwei Klassen erweitert und 1903 sogar ein zweites Stockwerk aufgesetzt.


Am 18.5.1911 wurde die sechsklassige Volksschule in eine fünfklassige Knaben- und eine fünfklassige Mädchenvolksschule unter gemeinsamer Leitung umgewandelt. Zu diesem Zeitpunkt besuchten 429 Knaben und 349 Mädchen die Schule. Die unter dem Bürgermeister und Arzt Dr. Karl Hanswenzl ebaute Mädchenvolksschule wurde am 1.1.1915 kollaudiert und bezogen. Sie stand hinter der Knabenvolksschule und war mit einem Turnsaal ausgestattet. Im Schulgarten befand sich ein landwirtschaftliches Versuchsfeld, es wurden Blumen, Gemüse, Obstbäume und Reben gezogen. Zur Bearbeitung und Pflege wurden Kinder der obersten Schulstufen eingesetzt.

Infolge des andauernden Rückganges der Kinderzahl wurden mit Beginn des Schuljahres 1929/30 alle Klassen wieder in der Knabenschule untergebracht. Die Mädchenschule wurde - mit Ausnahme des Turnsaales - wegen der herrschenden Wohnungsnot für Wohnzwecke adaptiert.

Als bei Bombenangriffen auf Siebenhirten am 8.7.1944  und 23.8.1944 die Mädchenschule vollkommen zerstört und die Knabenschule so schwer beschädigt wurde, dass sie für Unterrichtszwecke nicht mehr verwendbar war, übersiedelten Lehrer und Schüler in die Nachbargemeinde Vösendorf.

Nach Kriegsende wurde der ebenfalls durch Bomben beschädigte Kindergarten in Siebenhirten, Dr. Bernhard Billes-Gasse 8, renoviert und am 6.11.1946 als Notschule eröffnet. In den vier Klassenräumen erhielten 86 Knaben und 84 Mädchen Wechselunterricht.

Unter dem Wiener Bürgermeister Dr. h.c. Theodor Körner (Siebenhirten gehört seit 1938 zu Wien) und Architekt Dipl.- Ing. Dr. Roland Rainer wurde am 5.4.1949 in der Basler Gasse 43 mit dem Bau einer modernen Schule begonnen. Der erste Bauabschnitt mit vier Klassen, vier Garderoben, Kanzlei, Lehrerzimmer, Arztzimmer, Milchausgabe, Pausenhalle, Turnsaal, Schulwartwohnung und Keller mit Heizungsanlage wurde am 7.10.1949 von Bürgermeister Dr. h.c. Theodor Körner eröffnet. Der Unterricht wurde am 2.9.1949 mit vier Knabenklassen (Schülerzahl: 109) aufgenommen. 105 Mädchen besuchten weiterhin die Notschule.

 Der zweite Bauabschnitt mit vier Klassen, vier Garderoben und Lehrmittelzimmer wurde am 3.9.1951 von den Mädchen bezogen. In den folgenden Jahren sank die Schülerzahl von Jahr zu jahr und erreichte im Schuljahr 1961/62 mit 61 Knaben und 66 Mädchen (5 Klassen) den Tiefststand.

Während der Ferien des Jahres 1969 wurde im Schulgarten eine mobile Klasse errichtet und somit die Zahl der Klassenräume auf neun erhöht. Erst im Schuljahr 1972/73 war die Schülerzahl wieder so hoch (143 Knaben und 149 Mädchen), dass alle neun Klassenräume besetzt waren.

Nach der Fertigstellung der Wohnanlage "Wiener Flur" im Jahr 1980 stieg die Schülerzahl ständig an und erreichte im Oktober 1986 mit 158 Knaben und 154 Mädchen eine Höchstzahl - es gab zwei Vorschulklassen und zwölf Volksschulklassen. So mussten im Schulgarten drei weitere Pavillons errichtet werden, obwohl durch den Bau der Volksschule Akaziengasse weitere Klassenräume zur Verfügung standen.

Seitdem ging die Schülerzahl immer mehr zurück, und so konnten einige Klassenräume für spezielle Zwecke adaptiert werden:

Im heurigen Schuljahr besuchen 182 Kinder (89 Knaben, 93 Mädchen) in acht Klassen unsere Schule.

In der großen Pausenhalle des Schulgebäudes befindet sich das Wandgemälde "BASEL", gemalt von Prof. Lois Pregartbauer. Unter dem Relief steht der Text:

Diese Schule wurde genannt: "Basler Schule", 
zu Ehren der Stadt Basel in der Schweiz und ihrer friedliebenden Bürger, 
die in den Notjahren nach dem zweiten Weltkrieg 
durch ihre tätige Mithilfe 
ein Beispiel echter Völkerfreundschaft gegeben hat.

 


Home