Prof. Dr. Dr. h.c. Roland Rainer

Architekt


Wien, 8. Februar 2000

Sehr geehrte Frau Direktor !

Von allen meinen Bauten ist mir Ihre Schule immer besonders am Herzen gelegen und ich erinnere mich besonders gerne an diese Arbeit und das Ergebnis.

Die Schule ist aus mehreren Gründen bemerkenswert:
Sie musste 1949 in einer sehr schwierigen Zeit unmittelbar nach dem Kriege in der damals von dem kriege noch sehr mitgenommenen Stadt anstelle einer zerbombten Schule errichtet werden.

Die Schule musste daher mit mindersten Mitteln aber außerdem auch in kürzester Zeit errichtet werden. Das ist glaub ich sehr wohl gelungen:
Im März 1949 habe ich den Auftrag zur Planung der Schule bekommen und den Plan in kürzester Zeit vorgelegt. Im September 1949 wurde der erste Teil - vier Klassen mit Garderoben, Turnsaal, Freiluftklasse und Eingangs- und Pausenhalle, mit Konferenz- und Lehrerzimmer usw. - eröffnet.

Trotz dieser außerordentlich kurzen Zeit war die Bauweise nicht die einer "Baracke", sondern ein solide ausgeführter Massivbau mit großen Fensterwänden und einem getrennten Garderoberaum für jede Klasse, mit einer großen Eingangshalle, mit Nebenräumen für den gut ausgestatteten Turnsaal und mit einer anschließenden großen Pausenterasse. Diesem Takt wurde zwei Jahre später ein zweiter Trakt mit vier Klassen (Mädchenschule) angefügt.

Der wichtigste Gedanke des Entwurfes war ein optimaler Lebensraum für die Kinder, mit einem großen Garten, in dem - damals schon ! - ein Wasserbecken als Biotop angelegt war, vor allem mit einer großen überdeckten Freiluftklasse am Ende des Turnsaals und einer guten, einladenden Gestaltung des Gartens.

Das heißt also, dass es in sensationell kurzer Bauzeit und mit allerbescheidensten Mitteln durch eine geeignete Planung möglich war, ein überaus dauerhaftes, in in jeder Hinsicht handwerklich und technisch einwandfreies Gebäude zu errichten. Wie Sie aus den beiliegenden Fotos sehen, war diese Schule schon von Anfang an von fröhlichem Leben erfüllt, und dies war auch das Hauptziel meiner Planung.

Daher freue ich mich über nichts mehr, als darüber, dass Sie sich in dieser Schule sehr wohl fühlen.

Selbstverständlich werde ich Ihrer Einladung zur 50-Jahr-Feier am 9. oder am 16. Juni gerne nachkommen.

Mit herzlichen Grüßen


 


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