Unser Schulhaus feiert Geburtstag

Sonja Mum - Schulleiterin

Sonja Mum, Direktorin

Während der Schuleinschreibung für das Schuljahr 2000/2001 sagte mir eine Mutter, die erst seit kurzem in Siebenhirten wohnt: "Wir haben uns sofort in diese Schule verliebt. Sie strahlt eine heimelige, familiäre Atmosphäre aus."

Von außen klein und unauffällig, überrascht den Besucher die tatsächliche Ausdehnung des Hauses. Der großzügige Garten vermittelt ein Gefühl von Freiheit und bietet unseren Kindern nicht nur Raum für Spiel und Spaß in den Pausen, sondern viele Gelegenheiten zur Naturbetrachtung im Wechsel der Jahreszeiten, ermutigt zum gestaltenden Eingreifen und zum Sammeln gärtnerischer Erfahrung.

Wir sind uns der glücklichen Lage am Stadtrand wohl bewusst. In wie vielen Wiener Schulen können Kinder den Specht klopfen hören, seine Spuren sehen, Wildenten beim Hochzeitswerben beobachten und auf Seerosenblättern hockende Frösche und Kröten bewundern.

In der Nachkriegszeit wurde diese Schule als Ersatz für das von Bomben zerstörte alte Siebenhirtner Schulgebäude in kürzester Frist geplant, gebaut und mit großzügiger Unterstützung der Schweizer Stadt Basel finanziert. Mit größtem Augenmerk für die Bedürfnisse von Volksschulkindern nach Überschaubarkeit und familiärem Charakter ist der Architekt, Prof. Dr. Roland Rainer, bei der Planung vorgegangen und diese Überlegungen sind heute, 50 Jahre später, ebenso zutreffend wie damals. Denn der Wunsch und die Sehnsucht der Kinder nach Geborgenheit und Wärme ist so alt wie die Menschheit selbst. Sehr oft höre ich bei Schuleinschreibungen:" Wissen Sie, mein Mann und ich sind auch in diese Schule gegangen und wir haben uns hier sehr wohl gefühlt." Gibt es ein schöneres Kompliment für eine Schule, ihren Planer, die engagierten Lehrerinnen und Lehrer?

50 Jahren gehen an einem Gebäude nicht spurlos vorüber. Auch unserer Schule sieht man das Alter an. Jetzt wird sie aus Mitteln des Bezirksbudgets renoviert. Dafür möchte ich im Namen aller, die hier tagtäglich arbeiten (Kinder und Erwachsene) dem Bezirksvorsteher den herzlichsten Dank aussprechen.

Wir wollen zu diesem Jubiläum aber nicht nur feiern, wir wollen auch ein Zeichen setzen. In der damaligen schweren Zeit hat die Großzügigkeit der Basler Stadtverwalter den Bau dieser Schule ermöglicht. Nun, 50 Jahre danach, leben wir in einem der reichsten Länder der Welt. So haben wir beschlossen, ebenfalls beim Bau einer Schule mitzuhelfen. Wir unterstützen die Errichtung einer bilingualen Grundschule in Santiago Atitlan, Guatemala. Diese Grundschule soll durchgehend in der indigenen Sprache Tz'utujiil und Spanisch geführt werden. Im Sinne des Rechtes jedes Menschen auf Schulbildung in eigener Sprache können wir auf diese Weise beitragen, nicht nur ein Überleben, sondern auch eine Weiterentwicklung dieser Kultur und Sprache zu ermöglichen.


 


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