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Am 20. September feiert die Evangelische Johanneskirche in Liesing, Dr. Andreas-Zailer-Gasse/Mehlführergasse, ihren 80. Geburtstag mit einem Festgottesdienst um 10.00 Uhr und dem daran anschließenden traditionellen Liesinger Kirtag.

Im September 1935 wurde der heutige Kirchenbau – noch ohne Gemeindesaal – eröffnet. Liesing war zu diesem Zeitpunkt noch eine selbständige Kleinstadt und die Kirche stand ziemlich allein inmitten von Feldern und Weingärten.

Lediglich die jüdische Synagoge befand sich als weiteres wichtiges Gebäude nicht allzu weit entfernt in der heutigen Dirmhirngasse. Sie wurde bekannlich im November 1938 von den österreichischen Nazis devastiert und in Brand gesteckt.

Dem Bau der Evangelischen Johanneskirche gingen jahrelange Diskussionen über die Finanzierung, aber vor allen über das Aussehen, die Architektur, voraus. Hatte man sich schon auf einen konventionellen und traditionellen Kirchenbau verständigt, änderte sich diese Meinung während des Baus. Es sollte nunmehr zeitgenössische, moderne Architektur zum Zug kommen. Da die Fundamente aber schon standen, musste – um keine Mehrkosten zu haben – der moderne Bau an das bereits bestehende Fundament angepasst werden, was heute noch sichtbar ist. Charakteristisch für den modernen Bau sind die spitz zusammen laufenden drei Stahlbetonträger, die dem Innenraum ein zeltartiges Aussehen verleihen. Diese Träger mussten zum Teil im unteren Bereich abgeknickt werden, damit sie auf das Fundament passten. Trotzdem entstand damit die heute einzige Art-deco-Kirche Wiens. Dieser Schritt der damaligen Verantwortlichen war auch deshalb mutig, weil sich Österreich in dieser Zeit gerade auf dem Weg in eine traditionalistische, katholisch-faschistische Diktatur (bis 1934 unter Dollfuß, danach unter Schuschnigg) befand.

In den 1980er-Jahren wurde unter Pfarrer Preyer der erste Teil des Gemeindesaals im Westen der Kirche angebaut. Vor wenigen Jahren erfolgte ein neuerlicher Zubau und die Umgestaltung des Vorplatzes, sodass die Kirche nunmehr auch barrierefrei zugänglich ist. Durch die Errichtung der Mehlführergasse und der Dr.Andreas-Zailer-Gasse war nämlich der ursprüngliche östliche Zugang nur mehr über eine steile Steintreppe erreichbar geworden. Im Sommer heurigen Jahres wurde ein weiterer Zubau zum Gemeindesaal errichtet, finanziert aus den Beiträgen der Mitglieder der Evangelischen Pfarrgemeinde Liesing und aus Spenden. Denn in der Evangelischen Kirche sind die einzelnen Pfarrgemeinden auch für alle Bau- und Erhaltungsmaßnahmen selbst und allein zuständig.

Innenraumrenovierung 2016

„Für das kommende Jahr ist die Renovierung des Kircheninnenraums vorgesehen“, verrät die amtierende Pfarrerin Gabriele Lang-Czedik. Dabei sollen nicht nur die Wände neu gestrichen und der Boden erneuert werden, „wir wollen auch die Akustik verbessern und die starren Bänke durch eine flexible Bestuhlung ersetzen und damit aus dem Kircheninnenraum einen Multifunktionsraum machen“, erklärt die engagierte Seelsorgerin. Viel Arbeit also noch, die auf die MitarbeiterInnen der Pfarrgemeinde zukommt.

Beim Fest am 20. September erwartet die Besucher nach dem Festgottesdienst (10.00 Uhr) ein buntes Programm mit Musik, Grill, Getränken, Kuchen, Kaffee, Kinder- und Jugendprogramm. „Wir laden alle zu unserem Fest ein, ob evangelisch oder eine andere Religion oder keine. Wir sind offen für alle, alle sind willkommen!“ betont Pfarrerin Lang-Czedik.

Konzert bereits am Freitag, 18. September

Als Einstimmung auf den Festtag gibt es in der Kirche bereits am Freitag davor (Beginn: 19.00 Uhr) ein Konzert unter dem Titel „80 Klänge der Johanneskirche“. Die Chöre „Die LieSingers“ und „All you can sing“ bieten Kirchenmusik und Gospels, die Musikjugend der Pfarrgemeinde auch durchaus Rockiges, Vokales und Instrumentales dar. Auch zu dieser Veranstaltung sind alle herzlich eingeladen.

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